Dr. Albert Kümmel-Schnur

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Technik – Magie – Medium. Geister, die erscheinen

Ästhetik und Kommunikation 127/35 (2004), hg. gemeinsam mit Dierk Spreen

mit Beiträgen von
Alan Ramón Clinton, Frank Furtwängler, Ulrich Heinze, Rembert Hüser, Christian Kassung, Axel Krommer, Albert Kümmel, Albrecht von Lucke, Laurence A. Rickels, Erhard Schüttpelz, Dierk Spreen

Eine Technologie, die unmittelbar und ohne Aufschub jeden Wunsch erfüllt, die mühelos weit entfernte Räume und Zeiten durchquert, die Grenzen von Körpern und Identitäten überschreitet, ohne irgendwelche physischen oder psychischen Kosten ; eine Technologie, die das Leben erleichtert, indem sie einen Möglichkeitsraum narzißtischer Vergnügungen öffnet, und auf diese Weise das private wie das öffentliche Leben sicherer und schöner macht : eine solche Technologie muß einfach Magie sein ! Mehr noch : diese Technik setzt die nicht eingelösten Versprechen und unerfüllten Hoffnungen der Magie in die Wirklichkeit um.
Die smarte Gleichung dieser Übersetzung von Magie in Technik geht jedoch nicht auf, wenn wir uns vor Augen halten, daß wir einerseits fortwährend Technologien unmittelbarer Wunscherfüllung als Magie adressieren – »Einfach magisch !«, wirbt die Telekom –, während wir andererseits Magie als defiziente Technologie charakterisieren. Warum erscheint Magie gleichzeitig als technologisches Ideal und vortechnologisches Phantasma ? Warum wird nach dem 1972 formulierten Gesetz des Raumfahrtpioniers und Science-Fiction-Schriftstellers Arthur C. Clarke, jede hinreichend fortgeschrittene Technologie als von Magie ununterscheidbar aufgefaßt, um im gleichen Atemzug unsere Überlegenheit gegenüber rückständigen Ritualen sog. primitiver Völker zu betonen ? Weshalb greifen Mediendiskurse immer wieder auf Figuren aus dem Umfeld des Magischen, der Zauberei und Hexerei zurück, wenn es gilt, ein neues Medium zu feiern ?